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Pedaliero Ausgabe Dolomiten

Oben angekommen halte ich an und setze meinen Helm ab. Ein warmer Wind bläst mir ins Gesicht, kleine weiße Wolken wandern ohne Eile über den türkisblauen Himmel. Ich drehe mich um und schaue den Weg zurück. Ein Stück hinter mir kommt mein Mitstreiter Marco den Weg hochgeradelt. „Wo bleibst du denn? Ständig muss man auf dich warten!“, ruft er schnaufend und grinst über beide Ohren. ‚Komiker!‘, denke ich und muss auch grinsen. Schließlich warte ich hier auf ihn. Aber das ist egal, wir machen schließlich kein Wettrennen. Das Mountainbike ist ein geniales Gerät. Gerade in diesem Moment stelle ich es wieder fest. Marco ist weder Mountainbiker noch besonders gut trainiert, und trotzdem können wir heute diese Tour zusammen unternehmen. Denn wer Rad fahren kann, der kann auch Mountainbike fahren. Fehlt anfangs noch die Technik, um schwierigere Passagen zu meistern, bewegt man sich eben auf planen Schotter- oder Waldwegen, die es in den Bergen zuhauf gibt. Um den Aktionsradius zu vergrößern, können kraftzehrende Aufstiege mit der Bergbahn bewältigt werden, dem Naturerlebnis tut das keinen Abbruch. Marco fährt direkt neben mir, als wir uns wieder in Richtung Tal aufmachen. Soulriding in den Bergen lässt sich hier in den Dolomiten perfekterweise mit Sightseeing verbinden. Und so rollen wir geradewegs auf das kleine Örtchen Deutschnofen zu, auf der Hochfläche des Regglberges. Über 250 Bauernhöfe gibt es im Umkreis noch, die Landwirtschaft hat nach wie vor eine große Bedeutung. Leise surren unsere Stollenreifen, als wir den Ortskern erreichen, der Turm der Pfarrkirche zu den Heiligen Ulrich und Wolfgang wirft einen langen Schatten auf den Dorfplatz. 500 Jahre ist die spätgotische Kirche alt, 1793 zerstörte ein Blitzschlag den oberen Teil des Turmes, der daraufhin einen achteckigen Tambour mit Haube bekam. Wir schließen unsere Räder am Dorfplatz an und steigen ein paar Stufen zur Kirche hinab. Auf der Rückseite des Gotteshauses liegt der Friedhof mit liebevoll gestalteten Grabstätten. Unser Blick gleitet über die Gräber bis ins Tal, über den Wäldern hängt ein leichter Dunstschleier, die Aussicht ist phänomenal. Als wir wieder zu unseren Rädern gehen, entdecken wir auf der anderen Seite des Dorfplatzes eine kleine Bar, die zum Hotel Stern gehört. Eine Mischung aus Wiener Kaffeehauscharme und Trattoria empfängt uns im Inneren, dunkle Möbel und einladendes Flair, der ideale Ort für eine kurze Rast. „Unsere Familie führt das Hotel schon seit 1936“, erklärt uns Paul, als er uns einen Latte macchiato herüberreicht. Pauls Familie gehört das Hotel Stern und er steht selbst täglich hinter dem Tresen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass er so jugendlich ausschaut, vielleicht ist es aber auch das frühe Aufstehen, denn bereits um sieben Uhr morgens kommen die ©pedaliéro #01/10 39

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